Chronik der Volksschule

Niederthalheim

 von Karl Klinglmüller (Schulleiter bis 2014)

 

Wenn man die Leitung einer kleinen Volksschule, wie der in Niederthalheim, übernimmt, so sollte man sich über einige Dinge im Klaren sein: z.B. dass man dann Klassenlehrer, Schulleiter, aber auch Sekretär und Hausmeister in einer Person ist. Ich mache es mit Freude, weil ich weiß, wofür ich mich engagiere: in solch einer kleinen Schule kann man jedes einzelne Kind optimal fördern und fordern und für die Gemeinde ist der Erhalt der Schule von unschätzbarem Wert. Ein Grund, warum ich an die VS Niederthalheim kam und mich die Schulaufsicht ansprach, war, dass die Integration eines Down-Syndrom-Kindes bevorstand und ich bei der Lösung dieses Problems helfen sollte, da ich auch eine Ausbildung als Sonderpädagoge vorweisen kann.

 

Die gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen (z.B.: Geburtenrückgang, Integration) stellt eine kleine Landschule heute vor zahlreiche neue Herausforderungen. Die Schulen müssen sich im wirtschaftlichen und gesell- schaftlichen Umfeld neu positionieren. Sie müssen einen Weg finden, mit den vielschichtigen Mehrbelastungen umzugehen und dabei dennoch gute Qualität zu gewährleisten.

 

Auch Kleinschulen werden von den Trends der großen, weiten Welt erreicht und auch in Niederthalheim erfährt man über das schlechte Abschneiden Österreichs bei der Pisa-Studie. In keinem anderen Bereich der Grundschuldidaktik hat sich in den letzten Jahrzehnten eine derart vielschichtige Diskussion entwickelt wie im großen Feld der Leselehrmethoden und um das Problem der Legasthenie. Unzählige Stunden die Kollegen in Fortbildungsveranstaltungen und Seminaren verbrachten, unzählige Stunden die Kinder in der Legastheniker Betreuung zubringen mussten, unzählige Gespräche mit Vätern und Müttern.

 

Ein weiterer Diskussionspunkt im Bereich der Leselehrmethoden der letzten Jahrzehnte war der Streit zwischen den Vertretern der jeweiligen Methoden, wollte doch jeder den Stein der Weisen gefunden haben. So scharte ein jeder Methodiker so viele Praktiker als möglich um sich, die er dann an die Front des Leselehrkampfes schicken konnte. Manches davon wurde zum Krampf. Diese Formen des Methodendogmatismus, wie sie besonders die 60-er und 70-er Jahre beherrschten, haben sicher auch zum Phänomen ‚Legasthenie‘, wie es sich als ‚Geist aus der Flasche‘ immer bedrohlicher vor uns aufbäumte, beigetragen. So scheint sich in letzter Zeit, durch die Möglichkeiten der Methodenintegration, manches zu entschärfen.

 

Das Lesen und Schreiben  beherrschen‘, das sind Eigenschaften, die wir heute von jedem ernst zu nehmenden Zeitgenossen voraussetzen. Darüber hinaus gilt die Sprache als das artspezifische Merkmal für den Menschen schlechthin. Sprache bedingt Bewusstsein, Bewusstheit seiner selbst und Erkenntnis seiner Umwelt durch Kommunikation mit den anderen. Sprache und Schrift zu vermitteln, ist daher eine der wesentlichsten Aufgaben für uns Lehrer und eine ständige Herausforderung, da eine Berücksichtigung der jeweils individuellen Lernvoraussetzungen für jedes einzelne Kind notwendig ist.

 

Ebenso ist anzumerken, dass das Schulsystem und seine Unterrichtsmethoden meist ein Spiegelbild des herrschenden Machtgefüges und dessen Menschenbild sind. Daher ist zu überprüfen, wie weit  unser Schulsystem und seine Unterrichtsmethoden einem demokratischen Staatsgefüge und dessen zugrunde liegenden Menschenbildern entsprechen kann. Die Absichten, die ein Erziehungssystem verfolgt, sind nicht immer auf den ersten Blick zu durchschauen. Besonders, wenn es sich um aktuelle, zeitgenössische Versuche handelt, wird es sehr schwierig  die eigene, ideologische und psychologische Brille abzunehmen.

 

Durch den Einsatz neuer Medien hat sich seit der Jahrhundertwende eine noch  gewaltigere Revolution angebahnt, wie sie Ende des 15.Jhds die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg war. Versucht man eine vergleichende Bewertung, kommt man zu keinem schlüssigen Urteil. Die Welt hat sich in diesen 500 Jahren grundlegend geändert, die Probleme und Chancen des ausgehenden Mittelalters sind nicht die brennenden Fragen am Anfang des 3.Jahrtausends. Neue, sehr viel schwierigere Entwicklungen müssen in Gang gebracht werden, um eine positive, allen Glück bringende Nutzung gewährleisten zu können.

 

Geschichte unseres Dorfes und seiner Schule

 

Da eine Besiedlung Niederthalheims in der Steinzeit, Bronzezeit oder Hallstatt­zeit (bis 500 v. Chr.) sowie der jüngeren Eisen- oder La Tene-Zeit (von 500 v. Chr. an) durch keinerlei Funde belegt werden kann, ist eher auszuschließen, dass es zur Vorzeit schon fixe Siedlungen hier gab. Erst zur Römerzeit bekommt unser Gebiet Bedeutung, da es von einer wichtigen Verkehrsverbindung, der Straße Tergolape (Schwanenstadt) - Bojodorum (Pas­sau) durchquert wurde. Niederthalheim lag an der Fort­setzung der Salzstraße von Gmunden nach Schwanenstadt, die den Ort Rankar streifte. Der Verlauf der Straße war über Oberndorf, Pitzenberg, Atzbach, Rankar, Unterepfenhofen, Altenhof, Stein, Pram, Riedau, Zell, an Einburg und Raab vorbei, nach Innstadt bei Passau (Bojodorum). Auch in der Volkserinnerung weiß man, dass die Salzstraße über „das Haus an der Straß" in der Ortschaft Rankar nach Unterepfenhofen verlief.

 

Dass Römer unser Ortsgebiet zumindest durchquert haben, ist auch durch einige Funde aus jener Zeit belegt. Wenn auch heute über deren Verbleib nichts bekannt ist, so sind sie doch in einer Chronik von Gaspoltshofen, die der Pfleger der Herr­schaft Starhemberg, Seethaler, seinerzeit anlegte, erwähnt: In Niederthalheim hat man demnach Münzen von Faustina Aniana, der Tochter des Kaisers Antonius Pius (135 n. Chr.) gefunden, die später Gemahlin des berühmten Kaisers Marc Aurel geworden ist. (161 n. Chr.) Die römischen Straßen wurden dann im vierten und fünften Jahrhundert auch die Missionswege für christliche Mönche (Hl. Severin). Es dürfte kaum einen Ort in Noricum gegeben haben, der nicht christianisiert worden wäre.

 

Niederthalheim ist auf altem Kulturboden ein lang gestreckter Talort, ein Straßendorf, und dürfte sein Entstehen dem Ritter­geschlecht der Thalheimer verdanken. Urkundlich wurde es als Talaheimon im Jahre 927 an das Erzstift Salzburg (St. Peter), eine Gründung des Hl. Rupert, gegeben. 1145 und 1200 kommt es nach dem Urkundebuch des Landes ob der Enns abermals vor. Niederthalheim gehörte um 1000 genau­so wie Teile des heutigen Oberöster­reich und Salzburg zum Herzogtum Baiern. Vögte waren eingesetzt und Landgerichts­höfe installiert. 1139 wurde auch unser Gebiet mit der Markgrafschaft Österreich, die 1156 Her­zogtum wurde, vereinigt.

 

In dieser Gegend hatten in der Folge die Grafen von Schaunberg große Einflussbereiche, die sie durch Eheschließungen noch mehr ausdehnten. Ende des 14. Jahrhunderts musste sich aber auch dieses Herrscherge­schlecht zum Herzogtum Österreich be­kennen. Mächtig war auch das Adelsge­schlecht der Pollheimer (abstammend aus Pollham bei Grieskirchen). Im Bezirk Vöcklabruck saßen Pollhamer in den Schlössern Puchheim, Kogl, Frankenburg und Wartenburg. 1348/49 waren Jahre voller Katastrophen. Neben Missernten und Überschwemmungen wütete auch noch die Pest und forderte auch in unserem Ge­biet zahlreiche Opfer.

 

Aus der damaligen Zeit gibt es eine Ur­kunde des Stiftes Lambach, in der 1280 bis 1290 schon Höhenperg (Hehenberg) auf­scheint. „Thalham" als Pfarrsprengel ist 1414 bis 1423 und Hainpuch (Hainbach) 1384 eingetragen. Weiters werden Moos, Weikharting und Wufing um 1414, Imming um 1445 erwähnt. Auch einzelne Höfe des Ortes sind schon im 14. bzw. im 15. Jahr­hundert beurkundet: Der halbe Hof zu Hainpuch des Chunrad des Hainpuchers 1384; Jörg, der Chrötlinger 1444, der Lexlhof 1450 und Conradhub zu Moos 1459. Schon 1441 ist eine Dreiteilung „Hainpuchs" in ein halbes und zwei Viertel-Gü­ter beurkundet.

 

Auch ein Auszug aus dem Urbar der Land­gerichtsgrenzen der Herrschaft Puchheim (Puechhaimb) aus demselben Jahr 1660 ist aufschlussreich: „Von Oberndorf auf Niderholtzhamb, da­von dem gerichteten Fahrtweg nach auf Thalhaimb gerad hinauf auf den Ebers­berg, von dannen ans Ramkharr, allda die letzte Seul stehet, welche das Wartenbur­gische, Puechhaimbische und Starhem­bergische Landgericht schaidet ..."

 

Zahlreiche Häuser gehörten damals zur Herrschaft Wartenburg, von der aus dem Jahr 1720 eine Grenzbeschreibung er­halten ist: „ … zum Steg bey Öeltenberg, allda dann die Mini (Mühle) und der Hof rechter Hand in dem Wartenburgischem, selbiger Traydtkasten (Getreidekasten) aber linker­seits im Starhemberger Landgericht liget. Von gedachtem Steg dem Fahrtweg nach und neben der Felder auf und auf zu dem unterm dato 6. 6. 1655 beyr Schliergruben gesetzten Marchstain, alwo die Penetzdorfer und Alberzhamber Grund zusam­men stoßen, alsdann in Alberzhamber Feld yber den Rain und gewendtzum änderten Marchstain, und so fort in dem Gehe-auch Trib- und Fahrtweg zwischen dennen drey heüssln am Rambkaar hinein zu dem negst dem daselbstigen Wältl stehenten Marchstein, alsdann die drey Landge­richter Wartenburg, Starhernberg und Puechhaimb zusamen komben.

 

Von dannen nebst erholt Puechhaimbischen Landgericht dem Fahrtweg nach auf Penetzdorf, allda der untere Paur rech­ter Hand im Wartenburger Landgericht liget, in diesem Weg fort durch den soge­nannten Epersberg, alsdann nach dem Eder-Hölzl hinauf nach Unter-Thalhamb, verners durch dieses Dorf der Straßen nach auf den Khröblinghof sodann in die­ser Straße fort auf Nider Pengering und Nider Holzhamb".

 

Aus dieser Beschreibung geht hervor, dass damals in Öldenberg eine Mühle ge­standen hat. In Rankar hat es demnach drei Häuser gegeben. Man beachte die ver­schiedene Schreibweise in den ange­führten Urbaren (besonders bei Rankar und Penetzdorf). Niederthalheim (Unter Thalhamb) wurde schon damals als „Dorf der Straßen" bezeichnet, was es ja heute noch ist.

 

Unter Kaiserin Maria Theresia (1740 bis 1780) werden Justiz und Verwaltung refor­miert und zentralisiert. 1750 werden die österreichischen Erblande und die Länder der böhmischen Krone zu einem einheit­lichen Staat zusammengefasst. In der Folge wird 1774 eine „Allgemeine Schulordnung für Österreich" erlassen, womit im Großen und Ganzen das Schulsystem eingeführt wurde, das heute noch besteht. Maria Theresias Sohn, Josef II., führte die Re­formen weiter.

 

Im 18. Jahrhundert tat sich auch in Nieder­thalheim einiges: 1765 wurde von Dechant Mair, Gaspoltshofen, der Pfarrhof errichtet, nachdem das an dieser Stelle befindliche Pfaffenhäusl von ihm gekauft worden war. 1766 wurde Niederthalheim laut Ratifizierungsurkunde des Ordinariats Passau mit 17 Ortschaften, 163 Häusern und 850 Ein­wohnern zu einem selbständigen Vikariat erhoben. 1778 wurde in die Pfarrkirche ein­gebrochen. Der Tabernakel wurde aufge­brochen, die Hostien wurden verstreut und das Ciborium samt Monstranz, beides aus Silber, geraubt. Niederthalheim wurde 1817 zum ersten Mal von einem Bischof visitiert. Bei den Feiern wurde nicht nur die Orgel zertrümmert, sondern infolge des Gedränges wurden auch 14 Kirchenbänke zerstört.

 

Seit 1760 wurde in Wolfsegg Kohle abge­baut. Überhaupt stand das 19. Jahrhundert im Zeichen der industriellen Revolution. Unter Kaiser Franz Joseph l. (1848—1916) wurde schließlich die Staatsverwaltung zu­mindest in den Grundzügen so eingeführt, wie sie noch heute besteht. 1848 wurde vom schlesischen Abgeordneten Hans Kudlich beim Reichstag der Antrag ge­stellt, das Untertänigkeitsverhältnis aufzu­heben. Damit wurden die Bauern freie Staatsbürger. 1849 erließ der Kaiser eine provisorische Gemeindeordnung, nach­dem er zuvor die Katastralgemeinden ge­schaffen hatte. 1850 wurde in Niederthal­heim Josef Payrhuber zum ersten Bürger­meister gewählt. 1851 wurde das bisherige hölzerne Schulgebäude behördlich ge­sperrt und mit dem Bau eines neuen Schul­hauses mit einer Klasse begonnen. 1860 musste der „Neubau" bereits saniert werden.

 

1928 gab es in der Nacht zum 7. 1. einen heftigen Sturm, der zahlreiche Stromlei­tungen beschädigte. Dabei rettete indirekt ein Hund seinem Herrn das Leben: Auch beim Haus Niederthalheim 65 (Besitzer Franz Bauer) riss der Sturm eine Pappel um, die wiederum die Stromleitung abriss: Mit seinem Hund kam der Fleischhauer Jo­hann Mayr frühmorgens zu der Unglücksstelle und bemerkte, die am Boden liegende und unter Strom stehende Leitung nicht. Erst als der Hund durch einen Stromschlag tot umfiel, blieb Mayr stehen. 1932 wurde Johann Ennser aus Hainbach in Linz zum Priester geweiht, er wurde später(1962) mein Firmpate.

 

Die Zeit des Nationalsozialismus ging auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vor­über. So wurden schon 1938 mehrere Funktionäre der demokratisch gewählten Ortsverwaltung verhaftet, geprügelt und eingesperrt, unter ihnen auch Bürgermeister Johann Eder und Sek­retär Mittermair. Die Vereinskasse der Kath. Frauenbewegung wurde beschlag­nahmt und das Geld von NS-Anhängern vertrunken. Die Reichsbundfahne wurde zerfetzt. 1938 kamen 300 Mann bayrische Truppen nach Niederthalheim und wurden zum Teil auch hier einquartiert.

 

1939 gerät durch Funkenflug der Kohlen­bahn in Viert das Köblmairholz in Brand. Ca. 3300 junge Fichten gehen zugrunde. 42 Pferde aus dem Ort wurden für die Wehrmacht eingezogen, die bestehende Buslinie Grieskirchen-Niederthalheim-Schwanenstadt wurde eingestellt. 1940 erlebte der Ort einen sehr kalten Winter. Vom 16. Dezember 1940 bis 10. März 1941 hatte man viel Schnee und Temperaturen bis minus 29 Grad. Seit 15. Februar 1940 war die Kohlenbahn eingeschneit. 150 Polen wurden zum Schneeschaufeln eingesetzt. Beim Kroiß-Humer in Wufing drückte der Schnee das Heuboden-Dach ein. Am Ostersonntag (24. März) 1940 sahen die Niederthalheimer vier Stunden lang ein Nordlicht, ebenso 1941. 1942 wurden in den Kirchen Niederthal­heim und Hainbach die Glocken abge­nommen. Nur die aus dem Jahr 1599 stam­mende Jergerglocke (Hainbach) konnte vor dem Einschmelzen bewahrt werden. Sie kam nach Nußdorf a. A. 1943 musste die Gemeinde 32 Waggons mit je 10 Tonnen Getreide an die Wehrmacht abliefern. Am 21. 8. 1943 wird mit 48 Grad (!) ein Hitzerekord im Ort erreicht. Die Häu­ser werden nach versteckten Polen und Russen durch­sucht.

 

1944 gab es in Niederthalheim Flieger­alarm, bei der Stadlmairkapelle wurde Munition abgeworfen.  1944 hatte Niederthalheim durch die hohe Zahl von Flüchtlingen (1200) die höchste Einwohnerzahl seiner Geschichte. 1945: Tiefflieger feuerten auf die Kohlen­bahn in Niederau. Eine am Bahndamm weidende Kuh und der Lokführer wurden ge­tötet.

 

Am 27. 4. 1945 ist die Geburtsstunde der Zweiten Republik: Die Regierung Renner II wird gebildet. 26 Vermisste und 45 Gefallene sind die trau­rige Bilanz des Zweiten Weltkrieges für Niederthalheim.

1946 wurde beim Ennser-Wirt der erste Tanzkurs nach dem Krieg abgehalten, 400 Flüchtlinge halten sich noch immer im Ort auf.

 

Eine Primiz feierte die Pfarrgemeinde 1947: Karl Sieberer hatte die Priesterweihe em­pfangen. 1949 wurde die Landwirtschaftliche Fort­bildungsschule im Ort eröffnet, die aller­dings nur wenige Jahre bestand.

1950 zählte man beim Kirtag 33 (!) Standln, und 1951 wollte der damalige Bürger­meister Matthias Ennser in Penetzdorf eine Schule errichten. Es kam allerdings nicht zur Verwirklichung. Das Jahr 1954 brachte Hochwasser und Hagelschlag, womit rund die Hälfte der Ernte vernichtet wurde. Auch 1956 ging ein heftiger Hagel über dem Ort nieder, der in Viert, Wufing und Penetzdorf fast die ganze Ernte ver­nichtete.

 

 

 

Unsere Schule

 

Schon im 15. und 16. Jahrhundert wurde in Niederthalheim einfacher Unterricht er­teilt. Nach Aufhebung der Pfarre um 1620 gab es dann vermutlich bis etwa 1750 wiederum keine Schule. Im Jahre 1850 besuchte Adalbert Stifter, damals als Landesschulinspektor, die Volksschu­le Niederthalheim und verfasste darüber einen Bericht, der in jeder Weise lustig zu lesen ist:

 

„In Niederthalheim fand ich eine Schule vor, ein unförmiger Holzbau, der einem umgeworfenen Krautwagen glich. Auf dem einseitigen flachen Bretterdache lagen große Steine, die das Dach vor Ab­tragung durch den Wind schützen sollten. In den Seitenwänden des Hauses sah ich kindskopfgroße Löcher, die die Frau des Schulmeisters mit Werg verstopft hatte. Im Klassenzimmer waren über 100 Kinder in engstem Raume zusammengepfercht. Bei Regenwetter mussten die Kinder ihre Hefte unter die Bänke verstecken, denn es tropf­te durch alle Ritzen der Decke in den Raum."

 

Das Schulgebäude befand sich damals an der Stelle, wo heute das Pfarrheim steht. Aus einem späteren Bericht Stifters ver­lautet, dass man den Missstand behoben hatte: Nach wiederholten Vorstellungen (Stif­ters, Anm. der Red.) hatte sich die Ge­meinde endlich dazu entschlossen, an Stelle des unwürdigen Schulhauses einen Steinbau zu errichten. Das alte Schulhaus (jetzt Pfarrheim) wur­de 1852, ein Zubau 1878 fertig gestellt. Die Kinder erlernten nur das Lesen, Schreiben und Rechnen. Im Schuljahr 1896/97 gab es 176 Schüler in zwei Klassen. Hohe Schülerzahlen hielten bis 1950 an. 1945 waren im Schulhaus Monate hin­durch Flüchtlingsfamilien aus Schlesien, Berlin und Ungarn untergebracht. Im August dieses Jahres waren 70 Mann von amerikanischen Truppen einquartiert.

 

Das jetzige Schulgebäude wurde nach den Plänen des Architekten Dipl.-Ing. Karl Odorizzi, Wels, errichtet. Nach dreijähriger Bauzeit konnte mit Schuljahresbeginn 1969/70 hier der Betrieb aufgenommen werden. 147 Schüler wurden in fünf Klas­sen unterrichtet.

 

Ein schwerer Schlag ereilte unsere Volksschule im Jahr 1980: Die Umschulung der Ortschaften Apeding und Hinterschützing in den Pflichtsprengel der VS Schwanenstadt. Die Gründe dafür waren sehr fadenscheinig – der Schülertransport sei leichter zu bewerkstelligen.